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14.09.2023
Verfahrensrecht

BMF: Automationsgestützte quantitative Prüfungsmethoden in der steuerlichen Außenprüfung

Das BMF-Schreiben vom 05.09.2023 gibt Auskunft darüber, welche automationsgestützten quantitativen Prüfungs- sowie Schätzmethoden in der steuerlichen Außenprüfung u. a. zur Anwendung kommen können. 

Hintergrund

Bei einer steuerlichen Außenprüfung können mathematisch-statistische (quantitative) Prüfungsmethoden eingesetzt werden, um die Besteuerungsgrundlagen des Steuerpflichtigen zu verproben und auf Plausibilität zu überprüfen sowie Prüffelder unter Risikogesichtspunkten und Auffälligkeiten zu erkennen. Wenn betriebliche Gründe eine glaubhafte Ursache für Auffälligkeiten sind, werden diese im Rahmen der Auswertung entsprechend berücksichtigt. Sollte keine ausreichende Begründung vorliegen, liegt nach § 158 Abs. 2 Nr. 1 AO ein Anlass vor, die sachliche Richtigkeit und die Buchführung des Steuerpflichtigen zu beanstanden. Darüber hinaus können die Ergebnisse nach § 162 Abs. 2 S. 2 AO dazu führen, dass eine Schätzung durchgeführt werden muss.
 

Verwaltungsanweisung

Das BMF-Schreiben gibt einen – nicht abschließenden Überblick – über automationsgestützte quantitative Prüfungs- und Schätzungsmethoden.
 

Quantitative Prüfungsmethoden

Zeitreihenanalyse

Die Zeitreihenanalyse (auch Zeitreihenvergleich) dient dazu, historische Entwicklungen und Zusammenhänge von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen darzustellen. Die Daten werden in einem Diagramm erfasst, womit beispielsweise Trends, Schwankungen und Ausreißer identifiziert sowie die erwartete Abhängigkeit (Korrelation) von verschiedenen Datenreihen miteinander überprüft werden können.

Ziffernanalyse

Eine Ziffernanalyse untersucht die Zahlenstruktur der zu prüfenden Daten, insbesondere von Bargeldumsätzen. Ziel ist es, durch die Analyse von Ziffernhäufigkeiten Manipulationen aufzudecken, die durch das Erfinden von Zahlen in manipulationsgefährdeten Daten entstehen können, beispielsweise durch Bilanzfälschungen oder „Schattenaufzeichnungen“. Ziffernanalysen sind nur begrenzt einsetzbar und zielen ausschließlich darauf ab, Manipulationen durch das freie Erfinden von Zahlen aufzudecken.

Struktur- und Verteilungsanalyse

Die Struktur- und Verteilungsanalyse ist ein Verfahren zur Untersuchung von Daten, bei dem die Daten nach Klassen sortiert und ausgezählt werden, um die aufgetretene Verteilung mit der erwarteten Verteilung zu vergleichen. Ziel ist es, Unregelmäßigkeiten zu entdecken, die auf mögliche Fehler oder Manipulationen hinweisen.

Summarische Risikoprüfung

Die Summarische Risikoprüfung (SRP) ist ein System von quantitativen Prüfungsmethoden, das verschiedene einzelne quantitative Prüfungsmethoden in systematischen Prüfungen miteinander verknüpft und technisch durch IT-gestützte Vorlagen unterstützt. Die SRP konzentriert sich besonders auf die Methodenbereiche der Zeitreihenanalysen, der Ziffernanalyse und der Struktur- und Verteilungsanalyse, die in diversen Varianten und Ausführungen zu einem mehrperspektivischen Prüfungskonzept zusammengeführt werden. Der Prüfungspfad wird systematisch von einer groben Übersicht bis zu auffälligen Einzelsachverhalten verfolgt.

Stichprobenverfahren

Stichprobenverfahren sind statistische Methoden, die genutzt werden, um die Richtigkeit oder die Plausibilität von Daten zu überprüfen. Dabei wird eine zufällig ausgewählte Teilmenge eines Datenbestandes analysiert, um Rückschlüsse auf den Gesamtdatenbestand zu ziehen. Statistische Stichprobenverfahren sind objektiver als bewusste Auswahlprüfungen.

Monetary Unit Sampling (MUS) ist eine Methode, die auf der Grundlage mathematisch-statistischer Auswertung einer qualifizierten Zufallsstichprobe eines Prüffeldes Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit zulässt.

Schätzungsmethoden

An die Verprobung mit quantitativen Prüfungsmethoden kann sich gemäß § 162 AO eine Schätzung anschließen. Besteht dem Grunde nach die Notwendigkeit, eine Schätzung durchzuführen, so können quantitative Prüfungsmethoden zur Auswahl der geeigneten Schätzungsmethode herangezogen werden.

Zeitreihenbasierte Schätzung

Die zeitreihenbasierte Schätzung nutzt Ergebnisse von Zeitreihenanalysen als Grundlage, um die Schätzungshöhe festzulegen. Diese Schätzungsmethode basiert auf betriebsinternen Daten und sie soll deshalb externen Ansätzen vorgezogen werden. Es können betriebliche Besonderheiten berücksichtigt und verbleibende Unsicherheiten in einer Sensibilitätsanalyse, unter Umständen mit Sicherheitsabschlägen, berücksichtigt werden.

Quantilsschätzung

Die Quantilsschätzung ist eine Schätzungsmethode zur internen Ermittlung einer sachgerechten Schätzungshöhe mit Hilfe von betriebswirtschaftlichen und statistischen Standardwerkzeugen. Dazu werden Prozentränge (Quantile) als Ausgangswerte genutzt.

Schätzung nach Monetary Unit Sampling

Wenn bei der Überprüfung einer Stichprobe in den Daten (materielle) Mängel festgestellt werden, kann die ursprüngliche Hypothese zum Prüffeld nicht mehr aufrechterhalten und das Prüffeld nicht als ordnungsgemäß anerkannt werden. Wenn die im Prüffeld vorhandenen Fehler nicht vollständig identifiziert werden können und eine Behebung der Fehler nicht möglich ist, muss der geschätzte Betrag der Fehler berechnet werden. MUS bietet hierzu die Möglichkeit, den Anteil der Fehler in der Stichprobe auf die Gesamtheit zu extrapolieren.

Anmerkung

Insgesamt zeigt sich, dass die Finanzverwaltung bei steuerlichen Außenprüfungen eine Vielzahl von automationsgestützten quantitativen Prüfungs- und Schätzungsmethoden nutzen kann. Die Tatsache, dass der in dem BMF-Schreiben gegebene Überblick nicht abschließend ist, dürfte die Bedeutung des Schreibens für Praxis etwas einschränken.
 

Betroffene Normen

§ 158 AO, § 162 AO, §§ 193 ff. AO, § 220 AO
 

Fundstelle

BMF, Schreiben vom 05.09.2023, IV D 3 – S 1445/20/10007 : 006 
 

Weitere Fundstellen

BFH, Urteil vom 09.03.1967, IV 184/63, BStBl. III 1967, S. 349

BFH, Urteil vom 25.03.2015, X R 20/13, BStBl. II 2015, S. 743
 

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