Verrechnungspreisprüfungen in Zentral- und Osteuropa: Deloitte-Report liefert länderspezifische Einblicke
Verrechnungspreisprüfungen in Zentral- und Osteuropa sind komplex und stark länderspezifisch. Der neue Deloitte-Report beleuchtet die Prüfungspraktiken in 14 Ländern – von unterschiedlichen Prüfungsansätzen über typische Streitpunkte bis hin zu Sanktionen bei Non-Compliance. Ein Muss für international tätige Unternehmen mit Aktivitäten in der Region.
Einleitung
Zentral- und Osteuropa ist für international tätige Unternehmen eine wirtschaftlich dynamische und steuerlich komplexe Region. Gerade im Bereich der Verrechnungspreise unterscheiden sich die Prüfungsansätze und regulatorischen Vorgaben erheblich von Land zu Land.
Der neue Deloitte-Report „Introduction to Transfer Pricing Controversy in Central Europe“ analysiert die TP-Prüfungspraktiken in 14 Ländern – von Albanien bis zur Ukraine – und bietet einen kompakten Überblick über typische Streitpunkte, Verfahrensabläufe und länderspezifische Risiken.
Was zeigt der Report?
Prüfungsintensität und Dauer:
TP-Prüfungen nehmen in fast allen Ländern zu. Während sie in Rumänien oder Ungarn oft innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden, können sie in Tschechien bis zu fünf Jahre dauern.
Prüfungsansätze:
Einige Länder wie Bulgarien koordinieren TP-Prüfungen zentral, andere wie Kroatien agieren dezentral. In vielen Fällen – etwa in Tschechien – führen die Behörden eigene Benchmarking-Studien durch und wenden nationale Standards an.
Typische Streitpunkte:
Häufig beanstandet werden:
- Verlustsituationen und Schwankungen in der Rentabilität bei Routinefunktionen (z. B. Hersteller, Distributoren),
- Lizenzgebühren an verbundene Unternehmen ohne Substanz,
- Managementleistungen ohne ausreichende Dokumentation oder wirtschaftlichen Nutzen,
- Finanztransaktionen mit unangemessenen Zinssätzen.
Reaktionsmöglichkeiten und Einspruchsverfahren:
In der Regel bestehen formelle Einspruchsmöglichkeiten gegen Prüfungsfeststellungen. In Bulgarien und Rumänien sind gerichtliche Verfahren üblich, während in Polen viele Fälle bereits im Prüfungsverfahren gelöst werden.
Advance Pricing Agreements (APAs):
APAs sind in den meisten Ländern verfügbar, jedoch unterschiedlich ausgestaltet. In Albanien etwa sind APAs ab einem Transaktionswert von EUR 30 Mio. möglich; in Polen ist das Verfahren etabliert und wird zunehmend genutzt.
Sanktionen bei Non-Compliance:
Die Bandbreite reicht von Geldbußen (z. B. in Bulgarien bis zu 0,5 % des Transaktionswerts) bis hin zu strafrechtlicher Verfolgung bei Steuerhinterziehung (z. B. in Serbien oder Kroatien).
Beispielhafte Länder-Insights:
- Albanien: Fokus auf Routinefunktionen mit auffälligen Margen; Prüfungen dauern meist 8–12 Monate.
- Ungarn: Rund 500 TP-Prüfungen in 2024; besonderer Fokus auf konzerninterne Dienstleistungen und Finanzierung im Automobilsektor.
- Tschechien: Über 570 TP-Prüfungen in 2023; Schwerpunkt auf Fertigungsunternehmen in der Automobil- und Elektronikindustrie.
- Polen: APA-Verfahren etabliert; viele Themen werden bereits im Rahmen von Betriebsprüfungen geklärt.
Fazit
Der Report zeigt, wie unterschiedlich TP-Prüfungen in der Region durchgeführt werden – und wie wichtig es ist, länderspezifische Besonderheiten zu kennen. Für international tätige Unternehmen bietet er eine wertvolle Grundlage zur Risikoeinschätzung und strategischen Ausrichtung der TP-Dokumentation.
Den vollständigen Report (auf Englisch) finden Sie unten: Introduction to Transfer Pricing Controversy in Central Europe
Anmerkung
Am 6. November präsentieren wir gemeinsam mit unseren polnischen Kollegen die Ergebnisse des Reports im Rahmen eines Webcast. Dort erhalten Sie einen praxisnahen Überblick über die wichtigsten Themen und haben die Gelegenheit, Ihre Fragen direkt an unsere Experten zu richten.
Zur Anmeldung gelangen Sie über folgenden Link: Deloitte | Register
Fundstelle
Deloitte Report: Introduction to Transfer Pricing Controversy in Central Europe
Webcast, 6. November 2025, 14:00 - 15:00
TP 360° | Transfer pricing trends in Germany and Poland and selected Eastern European Countries - Register
